¡Bienvenido a España!

Willkommen in Spanien – mittlerweile bin ich in meinem achten Land (Spanien) auf meiner Radreise angekommen, doch bevor ich von Portugal mit der Fähre nach Spanien übersetzte, lagen noch drei Etappen an der Algarve vor mir.

Nachdem ich den Regentag in Pera ausgesessen habe, ging es am nächsten Tag mit Sonnenschein und blauen Himmel auf einem Holzsteg im Feuchtgebiet „Lagoa de Salgados“ weiter Richtung Albufeira.

In Albufeira angekommen, steuerte ich zunächst einen Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt und den Strand an. Dort wurde ich von streunenden Katzen begrüßt, die in vollen Zügen das tolle Wetter genossen und keine Anstalten machten auch nur einen Millimeter Platz zu machen, sodass ich mein Fahrrad durch die rumliegenden Katzen steuern musste und hoffte keiner über den Schwanz zu fahren 🙂

Anschließend versucht ich mir mit meinem Rad etwas die Stadt anzuschauen, was sich aber mit den kleinen Gassen und den vielen Treppenstufen als gar nicht so einfach herausstellte. Zum Glück führten zum Aussichtspunkt auf der anderen Seite der Stadt zwei Rolltreppen hinauf, sodass ich den steilen Anstieg nicht schiebend oder fahrend bezwingen musste. 🙂

Auf dem Weg zu meinem Campingspot, den ich mir für diese Nacht ausgesucht hatte, traf zwei Rennradfahrer, mit denen ich ins Gespräch kam. Sie kam aus Dänemark und er aus UK. Beide verbrachten hier in Albufeira ihren Urlaub und machten als Kontrastprogramm zum Essen, Trinken und Faulenzen auch immer mal wieder Ausflüge in die nähere Umgebung mit ihren Rennrädern. Es stellte sich heraus, dass er Fahrradmechaniker ist und wir redeten noch kurz über mein Ölaustrittsproblem meiner Rohloff Schaltung, dass ich seit meinem Flug immer mal wieder habe. Er beruhigte mich, da die geringen Mengen kein Problem sind und die Ursache wahrscheinlich der unterschiedliche Luftdruck beim Fliegen ist. Da sie deutlich schneller waren und ich die Hügel nicht so schnell rauf kam wie sie, verabschiedeten wir uns nach kurzer Zeit wieder und jeder fuhr seine Strecke. Umso überraschter war ich, als sie mich wenig später auf einmal wieder überholten 😀 . Wir hielten kurz an und sie gaben mir ihre Nummer im Falle, dass ich ein Problem mit dem Fahrrad habe. Sie wären noch eine Woche in Albufeira und hätten auch ein Auto vor Ort und könnten mir dann helfen. Also ich muss sagen Fahrradmechaniker, die man auf so einer Radreise trifft sind bisher immer total nett und geben einem immer die Telefonnummer für alle Fälle. Zum Glück habe ich sie bisher nicht gebraucht. 🙂

Meine Pause legte ich in einem Lokal direkt am Strand ein, bevor es dann hinter Quarteira an einen Strandabschnitt ging, den ich mir als Wildcampingspot rausgesucht hatte. Als ich dort ankam, war mir der Wald und der Strandabschnitt eigentlich zu einsehbar um dort mein Zelt aufzuschlagen. Jedoch sah ich etwas weiter hinten einen Camperbus stehen und entschied deshalb, mir den Spot doch nochmal etwas näher anzuschauen. Am Camper angekommen, sah ich dass hier noch viel mehr Vans und Wohnwagen standen und gefühlt mehr los war als auf einem offiziellem Campingplatz 🙂 . Nachdem das Campen hier anscheinend geduldet wird, baute auch ich hier mein Lager auf und sprang sogar kurz ins Wasser, was hier gar nicht so kalt war. Aber nachdem dunkle Wolken aufzogen und es schon anfing zu donnern, beendete ich die Badesession sehr schnell und verzog mich in mein Zelt, um dem kurzen Regenschauer zu entkommen.

Die Nacht war leider nicht ganz so erholsam, da der Campingsport in der Flugschneise vom Flughafen in Faro lag und die lautstarke Brandung meinen Schlaf immer wieder unterbrachen. Dafür wurde ich dann am nächsten Morgen von zwei anderen Campern auf einen Zitronen-Ingwer Tee eingeladen. 🙂 Die beiden kamen auch aus Deutschland und haben ihre Jobs gekündigt, sich den Camperbus gekauft und fahren seit April diesen Jahres mit dem Bus auf unbestimmte Zeit durch verschiedene Länder. Wir tauschten uns über unsere Erfahrungen in den bisherigen bereisten Länder aus. Anschließend machte ich mich auf den Weg nach Faro, die nächste Stadt, die ich mir an der Algarve anschauen wollte. Es ging an diesem Tag über viele Sand- und Schotterpisten durch ein Austernanbaugebiet, Salzsalinen und durch Orangen-, Mandarinen- und Zitronenplantagen.

Kurz vor Faro zogen dunkle Wolken auf, weshalb ich nochmal mehr in die Pedale trat, um mir in der Stadt ein Café zu suchen, in dem ich den Regenschauer abwarten konnte. Zum Glück tröpfelte es nur ganz kurz, sodass ich meinen Rundgang durch Faro nach kurzer Zeit wie geplant starten konnte.

Nachdem ich am Nachmittag auf meinem Campingplatz angekommen war, stand mir meine nächste Herausforderung bevor – der Zeltaufbau. 🙂 Auf diesem Campingplatz fand ich mit Abstand den härtesten Boden vor, denn auch die Zelter musste ihre Zelte auf den Parzellen der Camper aufbauen, die nur aus festem Boden mit Schotter bestanden. In leiser Vorahnung hatte ich bereits bei der Anmeldung nach der Beschaffenheit des Bodens gefragt, worauf hin mir die Dame von der Rezeption einen Hammer und 3 dicke Heringe in die Hand drückte. Die durfte ich am nächsten Morgen direkt behalten, falls ich nochmal wo anders so harten Boden vorfinden würde. 🙂

Am frühen Abend kam noch eine andere Radreisende auf dem Campingplatz an und baute ihr Zelt neben meinem auf. Sie kam auch aus Berlin, war auch Informatikerin, hatte ihren Job gekündigt und sich im August von Karlsruhe aus über Frankreich und Spanien auf in den Süden gemacht und fährt quasi meine Route nur in die andere Richtung. Also Spanien und Portugal scheinen beliebte Radreiseziele zu sein, so viele Radreisende wie ich hier schon getroffen habe. Vor allem treffe ich hier auch mal andere allein reisende Frauen, was auf meiner Reise durch Nordeuropa überhaupt nicht der Fall war.

Am nächsten Morgen stand mir nur noch eine kurze Etappe von ca. 20km bevor, bis es mit der Fähre von Vila Real de Santo António auf portugiesischer Seite nach Ayamonte in Spanien ging.

Am Fährterminal traf ich einen anderen dt. Radreisenden, der leider etwas vom Pech verfolgt war. Denn sein Fahrrad machte einige Probleme, die die lokale Fahrradwerkstatt vor Ort nicht lösen konnte. Er kam mit dem Rad nicht mehr vorwärts, da er ins Leere trat und deshalb wollte er nun nach Sevilla in der Hoffnung, dass er dort das Rad repariert bekommt. Leider gab es ab Ayamonte keine Zugverbindung nach Sevilla sondern erst ab Huelva, sodass er darauf hoffte, dass ihn ein Bus mit nach Huelva nehmen würde. Puh in dem Moment war ich froh, dass mir das bisher erspart geblieben ist und ich bis auf mein Ölleck mein Rad echt super durchhält.

In Ayamonte angekommen, suchte ich mir ein kleines Café mit Außenbereich in der Sonne, denn es hatte sichtlich abgekühlt und im Schatten war es doch schon sehr frisch.

An dem Tag entschied ich mich für eine kurze Etappe und fuhr auf einem von Orangenbäumen gesäumten Radweg durch Ayamonte und über Sandpisten, die durch den Regen der vergangenen Tage zum Teil recht matschig waren, bis nach Isla Christina. Dort suchte ich mir einen Campingplatz und lies den Tag ausklingen.

Der nächste Tag sollte etwas herausfordernd werden, da es nochmal mehr abgekühlt hatte und ich morgens bei unter 10 Grad meine Etappe begann. Nachdem dann auch Wolken aufzogen wurde es richtig kalt und ich fühlte mich wieder wie in Estland. Mein Ziel für diesen Tag war Huelva, wo ich mir ein Zimmer gebucht hatte, um mir die Stadt anschauen zu können. Nach Huelva kann man entweder vom Osten oder vom Norden reinfahren. Ich entschied mich die Route über die Brücke im Osten zu nehmen – leider habe ich die Rechnung ohne die Bauarbeiter gemacht. Denn als ich an der Brücke ankam, war die Straße leider gesperrt. Lediglich die Autobahnbrücke war offen, die jedoch von Radfahrern nicht befahren werden darf. Also dachte ich mir, dass ich einfach mal schaue wie weit ich auf der gesperrten Brücke komme. Leider nicht wirklich weit, denn ein Bauarbeiter wartete bereits auf mich und auf Nachfragen, ob ich denn durch die Baustelle fahren könnte, schüttelte er nur immer wieder den Kopf. Leider war die Verständigung auch nicht so einfach, da er kein Englisch sprach und mein Spanisch für diese Situation nicht ausreichte. Den langen Umweg über den Norden wollte ich aber auch nicht fahren – also ignorierte ich kurzer Hand die Verbotsschilder der Autobahnbrücke und fuhr das kurze Stück über die Autobahn. Die Autos durften hier auch nur 80 fahren, d.h. es war alles halb so wild – aber ich war schon froh als ich dann in Huelva von der Brücke fahren konnte.

In Huelva angekommen, stockte ich im Supermarkt erst einmal meine Vorräte auf. In Spanien wird bekannterweise viel Jamón, also getrockneter Schinken, gegessen und auch die Supermärkte bieten hier einen besonderen Service. 🙂 Es gibt hier eine spezielle Wursttheke nur mit Jamón, an der die verschiedenen Sorten frisch aufgeschnitten werden. Yummi – das ist genau das richtige für mich! 🙂

Nachdem ich in meinem Hotel angekommen war, wurde das Wetter auch besser und ich konnte mir die Stadt bei Sonnenschein anschauen.

Für den nächsten Tag hatte ich mir als Ziel Sevilla gesetzt, wo ich zwei Tage bleiben wollte. Das hieß, das mir an diesem Tag so ca. 100km bevorstanden. Ein Radweg führte mich durch Huelva auf eine ruhigere Nebenstraße. Die Tour erinnerte mich sehr an die Fahrt durchs Baltikum. Zum einen von den Temperaturen her und zum anderen, weil ich dieser Nebenstraße dann immer gerade aus bis nach Sevilla gefolgt bin. 🙂 Unterwegs fuhr ich durch kleine Dörfer mit hübschen kleinen Dorfplätzen, auf denen ich dann in der Sonne auch meine Siesta einlegte. Zum ersten Mal fuhr ich auch an Olivenbaum Plantagen vorbei. Entlang der Route traf ich immer wieder andere Rennradfahrer und Rennradgruppen.

Als ich mal wieder im Trance vom gleichmäßigen Treten war, wurde ich von einem Rennradfahrer zu Tode erschreckt, da ich ihn von hinten nicht kommen sah. Es war Richard aus den USA, der mit seiner spanischen Frau, nun seit 2019 in einem kleinen Dorf 30km von Sevilla entfernt, lebt, nachdem die beiden über 40 Jahre in den USA gelebt haben. Nachdem wir etwas gemeinsam fuhren und uns unterhielten, lud er mich zu sich nach Hause auf eine Pause ein. Dort lernte ich dann auch seine Frau kennen. Sie boten mir auch an, dass ich bei Ihnen übernachte könnte, aber leider hatte ich meine Unterkunft in Sevilla bereits gebucht. Für den späten Nachmittag war Regen angesagt und ich wollte es unbedingt noch vor diesem nach Sevilla schaffen. Deshalb machte ich mich nach einem Getränk auch wieder auf den Weg und fuhr die letzten 30km. In Sevilla angekommen, war ich leider überfordert von den ganzen kleinen Gassen und verwinkelten Straßen. Ohne Navigation wäre ich hier total aufgeschmissen gewesen und wäre verloren gegangen. 🙂

Den Ruhetag in Sevilla verbrachte ich nach einem tollen Frühstück in einem Café mit einer Free-Walking Tour, um mir die Stadt ein wenig anzuschauen. Ich war zwar schon einmal im Urlaub in Andalusien und hatte mir in diesem auch Sevilla angeschaut, aber das ist schon ziemlich lange her.

Da Sevilla nicht an der Küste, sondern mehr im Inland liegt, war es hier nochmals etwas kälter und es kühlte auf 4 Grad in der Nacht ab. Deshalb wartete ich morgens etwas bis ich losfuhr, sodass zumindest um die 10 Grad waren und ich mir nicht komplett den Arsch beim Fahren abfror. Dann machte ich mich auf den Weg Richtung Cádiz am Meer. Da die Strecke für eine Etappe zu lang war, teilte ich sie in 2 Tagesetappen auf und fuhr zunächst nach El Cuervo de Sevilla. Leider drehte nachmittags der Wind und ich hatte heftigen Gegenwind. Zudem kamen dann auch noch schlechte Straßenverhältnisse, sodass meine Laune immer weiter in den Keller sank. Die Fahrt entlang brauner Felder war recht eintönig, sodass ich froh war, als ich angekommen war.

Auch am nächsten Tag ging es weiter entlang von braunen Feldern über ruhige, hügelige Nebenstraßen.

Die Strecke ist jedoch anscheinend sehr beliebt bei Rennradfahrern. Leider ist die Verständigung nicht so einfach, da die meisten Spanier kein Englisch sprechen – sogar in den Unterkünften und Hotels sprechen sie nur Spanisch. Aber so bin ich gezwungen Spanisch zu sprechen, leider ist das Verstehen noch eine große Herausforderung.
Als Ort für meine Pause hatte ich mir auf der Hälfte der Strecke Jerez de la Frontera rausgesucht.

Als ich nachmittags in El Puerto de Santa Maria auf dem Campingplatz angekommen war, war es schon mit 14 Grad deutlich wärmer als morgens und so hielt ich es in der Sonne sogar mit Flipflops aus. 😉

Von El Puerto führt eigentlich eine Fähre nach Cádiz, von wo aus der Eurovelo 8, die Mittelmeerroute, startet. Morgens fuhr ich also zum Fährterminal, um mein Ticket zu kaufen. Jedoch stellte sich heraus, dass die Fähre nun ein Bus ist, der sogar Fahrräder mitnimmt. Da das Fahrrad nicht stehend in den Gepäckraum passte, schob ich es kurzer Hand liegend rein. Der Busfahrer war da recht entspannt. 🙂

In Cádiz angekommen, war ich nun endlich wieder am Meer. Es hat mir sehr gefehlt. Es ist einfach so viel schöner entlang des Wassers zu fahren. In der Stadt selbst führt ein Radweg einmal entlang der Uferpromenade.

Nur die Straßenführung aus der Stadt raus ist etwas anstrengend, da sich in Cádiz viele Schnellstraßen und Autobahnen kreuzen und man schnell den Überblick verliert. Zum Glück führten feste Sandwege oder asphaltierte Radwege parallel zur Autobahn durch Cádiz und in einem Bogen um ein Naturschutzgebiet durch die anderen Städte wieder zurück zum Meer. In jedem größeren Ort ist die Orientierung und Navigation echt nicht einfach, da es in den spanischen Orten einfach so viele kleine Gassen und vor allem Einbahnstraßen gibt. Ich zähl schon gar nicht mehr, in wie viele Einbahnstraßen ich schon verkehrt herum reingefahren bin. 😉

Und so war ich froh, als ich in den kleinen Örtchen am Meer angekommen war und den kleinen Nebenstraßen folgen konnte – z.T. mit Blick aufs Meer.

Die Orte sind nun auch schon sehr weihnachtlich geschmückt und die Lichter wurden in den Straßen bereits installiert. Aber irgendwie fühlt es sich für mich nicht nach Weihnachten an – so mit 15 Grad und Palmen. 🙂


Auf dieser Etappe konnte ich sogar Flamingos sehen. Erst dachte ich, dass es Störche waren, die ich in Portugal auch sehr oft gesehen habe, aber bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es Flamingos sind. 🙂

Da in den kommenden Etappen nochmal ordentlich Höhenmeter in der Nähe von Tarifa und Algeciras auf mich zu kommen, habe ich mich entschieden nochmal einen Pausentag in Conil de la Frontera am Meer einzulegen. Und genau da geht es jetzt auch hin, denn so langsam kommt die Sonne raus. 🙂

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