„Moin“ – der Norden ruft

Wenn du nachmittags um drei Uhr mit „Moin“ gegrüßt wirst, die Häuser zunehmend eine Klinkerfassade oder ein Reetdach haben, dann weißt du dass du im Norden von Deutschland angekommen bist. Ein wenig überrascht war ich, dass die ersten Klinkerhäuser bereits kurz nach Köln auftauchten – so früh hatte ich damit noch nicht gerechnet.

Am Montag ging es von Köln nach Meerbusch bei Düsseldorf auf einen Campingplatz direkt am Rhein. Das lud natürlich direkt ein, die Tour beim Radler am Rhein ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen ging es auf der Etappe durch den Ruhrpott. Was soll ich sagen? Es gab schon einmal schönere Etappen 😉 Sowohl von der Wegbeschaffenheit als auch bei der Aussicht gab es Luft nach oben. Okay – in der zweiten Hälfte der Tagesetappe wurde es besser. 😉
Am Ende der des Tour hieß es dann: Bye bye Rheinradweg and welcome to Römer-Lippe Radweg. In Wesel war es tatsächlich schon soweit, dass ich den Rhein und somit den Eurovelo 15 hinter mir ließ und auf den Eurovelo 3 wechselte. Die Pilger Route, wie der EV3 auch genannt wird, ist 5.300km lang und führt von Spanien bis nach Norwegen. In Deutschland führt der Radweg über NRW, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig Holstein hoch in den Norden.
Kurz nachdem ich auf den Römer-Lippe-Radweg wechselte, hieß es Campingplatz suchen. An diesem Abend hatte ich mir einen sehr kleinen Zeltplatz ausgesucht. Es war ein Kanuverein, der eine Wiese direkt am See zum Zelten anbot und es stellte sich heraus, dass ich an diesem Abend tatsächlich der einzige Gast war.

Das schöne am Römer-Lippe-Radweg ist, dass er die meiste Zeit entlang von breiten Waldwegen führte und somit an dem besonders sonnenintensiven Tag sehr viel Schatten bot. Außerdem wurde es wieder deutlich ländlicher und die Anzahl der Bauern- und Pferdehöfe nahmen zu.
Die Etappe an dem Tag war mit ca. 55km relativ kurz und somit blieb noch genug Zeit, um bei Haltern am See eine nasse Abkühlung im Seebad zu genießen. Am Abend ging es zu meiner ersten 1nitetent-Übernachtung. Bei 1nitetent handelt es sich um eine Plattform, auf der Personen, die ein Platz zum Zelten auf ihrem Grundstück haben, diesen den Radfahrern oder anderen Reisenden bereitstellen. Mein Zelt schlug ich auf einem Pony-Hof auf, wobei es nicht nur Ponys zu begutachten gab.

Den Donnerstag mit 35 Grad im Schatten wollte ich eigentlich schön entspannt am See auf einen Campingplatz verbringen. So der Plan – leider wurde mir am morgen mitgeteilt, dass sie keinen freien Zeltplatz mehr haben. So hieß es beim Frühstück einen Plan B zu schmieden. Am Ende wurde es eine Übernachtung in einer Pension im 30km entfernten Lüdinghausen. Auf den Weg dahin traf ich auf einen anderen Radreisenden aus Westfahlen, der innerhalb von einer Woche von Basel bis nach Haltern am See gefahren ist. Respekt! Bei dem Tempo konnte ich nicht mithalten und so fuhren wir getrennt weiter. Nach einer kleinen Sightseeingtour in Lüdinghausen, ging es in die Pension. Die war genau das, was ich an diesem heißen Tag gebraucht habe, denn ein Garten mit Pool und Liegstühlen luden zum Entspannen im Schatten ein. 😉

Am nächsten Morgen waren die Pensionsbesitzer sehr skeptisch, wie denn die ganzen Gepäcktaschen an mein Rad passen sollen und sie staunten nicht schlecht, als in weniger als 5min alles angebracht und verstaut war. Da es auch am Freitag wieder über 30 Grad heiß werden sollte, entschied ich mich bereits um 08:00 Uhr morgens loszufahren, um die Mittagshitze zu meiden. Kurz nach dem Losfahren, sagte mir wieder der Campingplatz, den ich am Abend zuvor angefragt hatte, aufgrund von Platzmangel ab. Es wunderte mich, dass sie keinen Platz mehr hatten, da die Wiese auf der Webseite sehr groß aussah. Zum Glück habe ich mich in der Pause entschieden nochmal anzurufen, denn es stellte sich raus, dass die Absage ein Versehen war. Puh – Glück gehabt. Da es bis nach Münster nur 50km waren, konnte ich bereits am frühen Nachmittag den Schatten genießen.

Heute stand dann die Erkundung von Münster, der Fahrradstadt Deutschlands, auf dem Tagesplan. Und wie es sich für eine Fahrradstadt gehört, fuhr ich mit dem Rad in die Stadt. Am Abend zuvor recherchierte ich, wo ich denn am besten mein Rad sicher abstellen könnte. Zum Glück ist das in Münster mal überhaupt kein Problem. Denn ähnlich wie in Amsterdam gibt es hier Parkhäuser für Fahrräder. Einfach der Wahnsinn. Für 80 Cent am Tag kann in einer „Tiefgarage“ das Rad sicher abgestellt werden. Hier gibt es nicht nur Parkplätze, sondern auch gleich noch eine Werkstatt, eine Fahrradwaschanlage und nebenbei werden auch noch gebrauchte Räder verkauft. Ich bin begeistert 🙂

Aber auch in der Stadt selbst, lässt es sich echt gut aushalten. Ich mag Münster schon nach nur einem Tag.

2 Gedanken zu “„Moin“ – der Norden ruft

    • Also normalerweise stell ich das Rad immer so ab, dass ich es im Blick habe. Beim Seebad hab den wichtigen Teil des Gepäcks mit reingenommen und den Rest draußen gelassen. Die Taschen, die am Rad geblieben sind, habe ich mit einem Schloss gesichert. Ich hab dann mal auf das gute im Menschen vertraut. 😉 Wer meine Dreckwäsche klauen will, soll sie haben 😁😁

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