Home sweet home

In den letzten Tagen meiner Reise durch Nordeuropa lag der Fokus weniger auf dem Radfahren. Ich habe stattdessen mal wieder das „normale“ Stadtleben in Tallinn und Helsinki genossen. Am letzten Abend in Tallinn gönnte ich mir meinen ersten Cocktail auf der Radreise und ließ so den Aufenthalt in Estland ausklingen.

Am nächsten Morgen hieß es dann „Goodby Estonia“ and „Hello Finnland“, denn die Fähre brachte mich in nur 2 Stunden von Tallinn nach Helsinki. Als Fahrradfahrer darf man sein Rad auf einem kleinen Platz zwischen den ganzen LKWs parken und verlässt dann die Fähre auch gemeinsam mit Ihnen. Ich war ziemlich von der Größe und der Ausstattung der Fähre überrascht. Ich hatte eigentlich eine ähnliche Fähre wie die Male zuvor in Estland erwartet, d.h. unten parken die Autos und oben gibt es einen kleinen Innenbereich mit einem Café. Aber auf der Fähre nach Helsinki, gab es mehrere Decks mit Kabinen, ein Café und sogar einen Burger King.

In Helsinki angekommen, freute ich mich sehr über die tolle Radinfrastruktur. Ab dem Moment als ich die Fähre verließ, gab es separate Radwege und dies zog sich durch die ganze Stadt. Radfahrer haben teilweise sogar eigene Ampeln und Schilder weisen einem den Weg durch Helsinki. Selbst die Polizei fährt mit E-Fatbikes durch die Stadt. 😉

Da ich erst am Nachmittag in die Unterkunft konnte, nutze ich die Zeit, um erste Eindrücke zu sammeln und fuhr durch die Innenstadt und entlang der Küste.

In Helsinki hat architektonisch viel zu bieten. Im Viertel direkt neben meinem, spazierte ich zum Beispiel durch Straßen mit den typisch nordischen bunten Holzhäuser.

Dagegen findet man im Zentrum eher Gebäude im Jugendstil.

Allerdings begegnet einem in der Stadt auch immer wieder moderne Architektur, wie zum Beispiel die neue Zentralbibliothek Oodi. Es handelt sich hier nicht nur um eine normale Bibliothek mit Literatur, sondern im ersten Obergeschoss werden den Einwohnern Helsinkis zusätzlich verschiedenste Services bereitgestellt. So findet man hier zum Beispiel 3D-Drucker, Nähmaschinen, Meeting-Räume, Medienbearbeitungsplätze, Plotter, Drucker, Musik-Aufnahmestudios, Spielekonsolenzimmer, etc. Wahnsinn! Ich war sehr beeindruckt 😀

Aber auch sonst, ist die Bibliothek sehr modern gestaltet und eingerichtet. Überall gibt es Sitz- und Liegemöglichkeiten und einen tollen Ausblick hat man dazu auch noch.

Helsinki liegt direkt an der Ostsee und so konnte ich auch viel Zeit direkt am Wasser verbringen und die ein oder andere kleine Entdeckung machen, wie z.B. Hugo, eine USB Stromladestelle, die durch Wasserkraft betrieben wird. 😉

Ein weiteres schönes Highlight in Helsinki war das kurze Treffen mit Angi und Reini, zwei anderen Radreisenden aus Österreich. Auf Instagram folge ich verschiedenen Radreisenden und als ich mir in Estland mal wieder den Arsch beim Radfahren unter 10 Grad abgefroren habe, wurde mir auf Instragram ein Post von saddlestories.at vorgeschlagen. In diesem Post beschrieben die beiden, wie sie die kalten Temperaturen in den Nächten bei Ihrer Tour vom Norden in den Süden Finnlands in Hütten im Wald verbrachten. Ich dachte mir nur: die armen Schweine 😀 Die sind noch schlimmer dran als ich – was die Temperaturen angeht. Nachdem ich mir dann ihren Blog und ihre Videos auf Youtube angeschaut habe, waren mir die beiden echt super sympathisch. Vor Corona waren die beiden schon 20 Monate unterwegs, mussten aber ihre Reise aufgrund von Corona abbrechen. Nun sind sie wieder im Sommer losgefahren und befanden sich gerade auf dem Weg nach Helsinki. Wie es der Zufall so wollte, waren wir zur gleichen Zeit in Helsinki und ich kontaktierte die beiden über ihren Blog, ob sie nicht Lust hätten, sich mit mir auf einen Kaffee zu treffen. Wir trafen uns dann an der Zentralbibliothek und tauschten uns über unsere Reise aus, bevor es für die beiden dann mit der Fähre weiter nach Schweden ging. Es war toll mal wieder mit anderen Radreisenden zu sprechen, nachdem ich in Estland überhaupt keine anderen Radreisenden getroffen hatte.

Für mich ging es dann am nächsten Tag auch mit der Fähre weiter, allerdings nicht nach Schweden sondern nach Travemünde. Der Fährhafen lag etwa 12km außerhalb vom Zentrum Helsinkis, sodass ich nun nach 9 Tagen Pause wieder aufs Rad stieg und tatsächlich noch einen kleinen Abschnitt des Ostseeküstenradweges in Finnland fuhr. 😀

Am Fährhafen musste ich dieses Mal ziemlich lange warten bis ich mit dem Rad aufs Schiff durfte. Normalerweise war ich als Radfahrer bisher immer die Erste. Während ich warten musste, sprach mich Timo an, ein Finne, der seit sehr langer Zeit in Deutschland lebt und mal wieder in der Heimat war. Sein Auto kämpfte mit Startschwierigkeiten, sodass er neben mir separat zu den anderen wartenden Autos platziert wurde, um nicht die anderen Autos zu blockieren. Wir kamen ins Gespräch und am Ende lud er mich für abends noch auf ein Getränk an der Bar ein. Wir verließen den Hafen mit einer Stunde Verspätung, die sie jedoch während der Überfahrt wieder komplett rausgefahren haben.

Ich hatte mir ein Bett in einer Kabine gebucht, die ich theoretisch mit bis zu 2 anderen Frauen hätte teilen müssen. Ich spekulierte jedoch beim Buchen darauf, dass es zu dieser Jahreszeit nicht so viele allein reisende Frauen gibt und mein Plan ging voll auf. Ich hatte die Kabine komplett für mich allein. Also zu dritt wäre es in der Kabine auch echt kuschelig geworden. 😉

Vor mir lagen 28 Stunden Fahrt, die durch die Gesellschaft von Timo, einem ausgiebigen Frühstück im Bordrestaurant und meiner langen Podcast-Liste überraschenderweise ziemlich schnell vergingen. In Travemünde angekommen, musste ich dann nur noch kurz im Dunkeln mein Campingplatz im Nachbarort finden und mein Zelt aufbauen, was jedoch alles ohne Probleme klappte.

Wieder in Deutschland war eigentlich mein Plan noch eine Woche im Norden Rad zu fahren, bis mich mein Freund am Sonntag aufsammeln wollte und wir für 2 Wochen in den Urlaub fahren. Allerdings merkte ich schon am nächsten Tag auf meiner Fahrt zum Plöner See, dass irgendwie die Luft raus war und ich nicht mehr so richtig Spaß am Fahren hatte. Es fühlte sich so ohne Ziel nur noch wie Zeitabsitzen an. Deshalb entschied ich mich spontan, in Hamburg den Zug nach Stuttgart zu nehmen und meinen Freund mit meiner spontanen Rückkehr zu überraschen. 🙂 Ihm sagte ich davon natürlich nichts und ließ ihn in dem Glauben, dass ich zwei Nächte in Hamburg verbringe. Als ich dann spät abends vor der Tür stand war die Freude natürlich groß und die Überraschung war vollkommen geglückt. 🙂

So heißt es für mich nun: Home sweet Home! Es ist echt toll nach 135 Tagen auf Tour wieder zu Hause zu sein und ich weiß ganz banale Dinge wie eine Kaffeemaschine, einen vollen Kühlschrank oder das Sofa, auf das ich mich morgens mit einem Latte Macchiato lümmeln kann, echt viel mehr zu schätzen. 🙂

Am Sonntag geht es dann wie gesagt erst einmal in den Urlaub und ob ich danach nochmal in den Süden Europas aufbreche, werde ich mir dann in den nächsten zwei Wochen überlegen. 😉

3 Gedanken zu “Home sweet home

  1. Hallöle Susann! Dann wünsche ich kurzzeitig ein „Willkommen zu Hause“, die Route war ja sehr beeindruckend. Ich bin ja schwer für eine Karte mit Stationen. Musst immer auf Maps schauen, wo Du eigentlich warst.
    Übrigens ist heute Freitag und Du weißt ja, was das heißt… 😉
    Welche Anschaffung von maximal 100 Euro hat für dein Leben in letzter Zeit die größte positive Auswirkung gehabt?

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    • Hey Chris, die Karte gibt es schon unter Route und Statistik… mittlerweile gibt es auch den GPS Track, der nicht nur die Übernachtungsstationen zeigt, sondern auch wo ich lang gefahren bin. 😉
      Puh die Frage ist wie immer nicht einfach, da muss ich erstmal drüber nachdenken 😁

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    • So jetzt ist mir was eingefallen: ich habe mir in Litauen meine Thermoskanne für 25Euro gekauft. Ohne die, weiß ich nicht, ob ich noch lange im Baltikum mit den kalten Temperaturen weiter gefahren wäre oder nicht auf Bus und Bahn umgestiegen wäre.

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